Wave Gotik Treffen 2009

Wave Gotik Treffen 2009 – Latex, Bitches, Ofenschlupfa
FREITAG – 29. May 2009.

Wir schreiben 2009 und mittlerweile zum fünften Mal in Folge gehe ich meinen lieben Leipzigern Freunden mit einem Besuch auf den Geist. Die ohnehin schon enge Wohnung vom Typ “mehr Höhe als Breite” wird noch ein Stückchen enger, als ich meine technischen Gerätschaften auspacke, den Wohnzimmertisch blockiere und zu allen übel dann auch noch gut gelaunt bayerische Mitbringsel aus dem Supermarkt präsentiere. Gut, eingekauft habe ich in Leipzig, aber bayerischer Geschmack bleibt bayerischer Geschmack. Später sollte ich es bereuen, denn die Hälfte hatte ich nachher wieder im Kofferraum. Für die Reise, haben sie gesagt, für die Reise. DIE FORM at the WAVE GOTIK TREFFEN Gut, wie dem auch sei. Stau gab es dieses Jahr nicht – zumindest war ich nicht betroffen. Kurz nachdem ich die Autobahnen passierte kam es zum üblichen Kollaps. Ich frage mich: sind die anderen Bundesländer eigentlich leer? Entweder man befindet sich zum Sonnenbaden im Ausland oder man versteckt sich vor eben diesem grellen Gestirn im Schatten der Gothics. Doch zu früh gefreut. Kaum das Bändchen geholt und die Klamotten ausgepackt ereilte mich der sprichwörtliche Stau wieder auf dem Weg ins Werk II.

Die Schlange vor dem Werk II reichte bis in die Innenstadt (gefühltermaßen), den die Kultband DIE FORM gab sich die Ehre. Ich hatte diesmal Begleitung (siehe auch: der Artikel mit den bebendenen Brüsten). Daher wartete ich geduldig mit ihr bis sie an der Reihe war und verzichtete auf die Sonderbehandlung, die uns Photographen gewöhnlicherweise zukam. Nach etwa 40 Minuten Wartezeit lichtete sich die Reihe – die ersten Goths verliesen nerventbrannt das Schlachtfeld. Der Auftritt von DIE FORM rückte näher und somit machte ich dann tatsächlich noch von meinem Photographen-Status gebrauch und lies mich einschleussen. Meine Begleitung schaffte es dann aber auch. Das Gefühl, dass hier noch mehr Leute als sonst zu Besuch waren, erhärtete sich. Immerhin hatte ich auch die Schlange an der Agra gesehen. DIE FORM - The voice Nachdem ich mir, mühsam und mit aussergewöhnlich vielen Anfeindungen, den Platz in der ersten Reihe gesichert hatte, verfinsterte sich die Halle. Jemand mit Gasmaske betrat im Zwielicht die Bühne und versteckte sich auch sofort hinter seinem Computer. Klasse, dachte ich mir. Aber so ist das, mit den Electro-Acts. Wummernder Bass eröffnete das Konzert, eine Leinwand wurde mit Licht und Film beworfen und eine grellweiße Gestalt hüpfte auf die Bühne. Bald war klar, wie DIE FORM den Abend verbringen würde: die Gestalt war eine Tänzer(in) (genaues konnte nicht festgemacht werden) die spektakulären Tanz zur Musik von DIE FORM aufführte.
Spektakulär meine ich auch ohne jeglichen Sarkasmus: bis ins kleinste, ausgefeilt wirkende Arrangements erzählten eine gruselige Geschichte – zunächst die eines sterbenden Schmetterlings, dann die eines Untoten. Die Performance war extrem gelungen, wenn auch überraschend, und machte den Mangel an Musikern bei DIE FORM erstmal weg. DIE FORM - body art Nicht so gelungen jedoch war der Auftritt der piepsmäusigen Sängerin Elaine, die bei nahezu totaller Schwärze auf der Bühne ihr Bestes gab. Leider kann man nur sagen, dass es ein Glück war, dass die Dame zu leise gemischt wurde. Die Stimme war wenig druckvoll, teils gabs schräge Töne und im Ganzen war das nicht so überzeugend. Kompression am Mischpult plus einen Harmonizer hätten das vielleicht noch retten können, doch so… Glücklicherweise war die Bodyart wesentlich besser und rettete den Abend – zumindest meinen. Denn bittere Pillen gabs auch hier: denn die Tanzeinlagen konnten von weiter hinten kaum gesehen werden und somit entging den meisten Besuchern die Darbietung. DIE FORM hatten also gute Ideen, einen guten Sound aber hätten durchaus eine besser zugängliche Bühne gebraucht – eine Theaterbühne eben, keine Konzertbühne.

SAMSTAG – 30. May 2009 Atargatis - Stephanie Meier

Am Samstag begab ich mich aussergewöhnlich früh ausser Haus. ATARGATIS, bereits des öfteren am WAVE GOTIK TREFFEN hörbar, wollten die Kohlrabizirkus-Bühne unsicher machen. Ich kenne und verfolge die Band seit einigen Jahren und wollte mir wieder einmal selbst ein Bild machen. Dark Gothic Metal schreiben sich die Landesgenossen auf die Fahne. Die Band begann mit den ersten Tönen und Sängerin Steffi drehte voll auf. Auch bekannt mit ihrer Zweitband DARKWELL hüpft das ewig-gutgelaunte Mädel von einer Seite auf die andere, lediglich unterbrochen von “Leipzig – wie gehts euch??” oder auch “LEIPZIG – SEID IHR NOCH DA??” rufen. Atargatis - Viola Die Art des Entertainments erinnerte mich an die berühmte deutsche Rockröhre DORO und ich denke, dass Stephanie Meier durchaus das Talent hat, eines Tages in die Fußstapfen von der eben Genannten zu treten. Allerdings müßte sie da schon noch ein bißchen mehr auf der Bühne zu erzählen haben – mit der Zeit wurden auch die motivierenden Anfeuerungen etwas langweilig und Mann konzentrierte sich eher auf das tolle Kleid der Barfüßigen. Frau vermutlich auch.
Atargatis - Azmo Während die Songs recht routiniert und ganz gut gemischt aus den Boxen donnerten, war sonst leider recht wenig auf der Bühne zu sehen. Die lieben Mitmusiker versteckten sich ein wenig hinter ihrem Star und das ist schade – getreu dem Motto “gemeinsam sind wir stark” wäre da noch einiges mehr machbar gewesen. Wenn ATARGATIS im nächsten Jahr etwas später am Abend spielen möchte, dann wäre hier ein Ansatz um an sich zu arbeiten. Ansonsten fiel noch Drummer Shadrack ins Auge, der äußerst präzise mit einem Klick im Ohr den Synthesizer steuerte – oder auch umgekehrt. 🙂 Überraschend gut übrigens die Fannähe von ATARGATIS: direkt nach dem Konzert hüpfte Steffi von der Bühne in ihre Schuhe um kurz darauf am Merchandise Stand zu erscheinen, wo sie bereitwillig Autogramme verteilte. Wie gesagt, ATARGATIS könnte noch so einiges abliefern.

Direkt danach – und nicht barfuß – waren MEGAHERZ auf der Bühne. Die Halle füllte sich bereits enorm trotz der frühen Stunde. Zum einen liegt das tatsächlich an der Band MEGAHERZ, denn diese Gruppe scheint wohl derzeit als Erbe oder sogar Ersatz zu RAMMSTEIN und Co zu gelten. Zum anderen: das WGT hatte tatsächlich einige Leute mehr am Fest, denke ich. MEGAHERZ hatten die Leute sofort unter Kontrolle – zumindest fast sofort, denn der MEGAHERZ Frontmann Lex stolperte während der ersten Sekunden und fiel erstmal gehörig auf die Fresse.
Aber nichts passiert, schon war das Publikum im Griff. Eingängige Songs und kompetente Musiker lieferten ein äußerst kompaktes Arrangement. Die Refrains luden zum Mitsingen ein, was vom gut gelaunten Publikum angenommen wurden. Lautgröhlend knallte ein Song nach dem anderen von der Bühne. Das kleine Problemchen, dass MEGAHERZ-Sänger am Anfang hatte, wurde mit einem weitaus unangenehmeren erweitert: irgendwie riss der Gürtel des jungen Mannes. Auf die Frage, ob es wohl jemanden etwas ausmache, wenn er in Unterhosen dastände, antwortete die weibliche Belegschaft des Saals mit Begeisterung. Die denken doch alle nur an das eine! Im Verlauf des Konzerts wurde diese Peinlichkeit immer wieder aufgegriffen und führte damit zu einem ähnlichen Effekt wie zuvor bei ATARGATIS. Die musikalische Seite jedoch konnte vollends überzeugen und somit denke ich, dürfte man die Band bald wiedersehen: gut gemischt, klarer Sound und deftige Anschläge sorgten für ein einschneidendes Erlebnis.

Am Abend rief der Felsenkeller – eine neue, aber wunderschöne Location im Jugendhausstil (vermutlich): große Kronleuchter, ewig hohe Decken, weite Räume… einfach perfekt. Das alt-ehrwürdige Ambiente sorgte für die coolste Atmosphäre dieses Jahr und ich hoffe, das in Zukunft alle Gothic Rock Bands dort spielen werden. Und das, obwohl ich vorher Werk II Fan war.

FANGS ON FUR FANGS ON FUR eröffneten den Abend. Das bedeutend bodenständiger, altbackener Gothic Punk mit einer Sängerin, die sich in arabische Kleider hüllt, Knochenketten trägt und auch sonst verdammt schräg aussieht. Ihre Kumpanen haben zwar keine arabischen Kleider an, sehen aber auch verdammt schräg aus. FANGS ON FUR at the Wave Gotik Treffen 2009 Glücklicherweise ist die Musik verdammt geil und dürstet nach mehr. Die Songstrukturen sind recht einfach gehalten, aber eingängig und gehen gut ins Ohr. Die Show war kompetent und rockte ordentlich. Es gab hier keine großen Überraschungsmomente. Der Sound war äußerst stimmig und fiel niemals negativ auf. Alle Instrumente waren klar und deutlich zu hören. However, diese Band wird noch weiter die Massen beeindrucken, aber zum begeistern fehlt noch ein wenig. Derzeit handelt es sich hier um eine Gothic Punk band – nicht mehr, nicht weniger. Der extrem besondere Kick fehlt also noch. Für mich hats dennoch gereicht mir ihre CD zu holen. FANGS ON FUR steht ab jetzt definitiv auf meiner Watch-Liste.

THEATRE OF HATE - And on vocals... Danach THEATRE OF HATE: Am Anfang überlegte man sich vielleicht noch Bier holen zu gehen anstatt zu zuhören, aber nach zwei Songs gewöhnte man sich an die Jungs. Nach 5 Songs wippte man mit und nach 8 kriegte man nicht mehr genug. THEATRE OF HATE ist eine uralte Rockband um SPEAR OF DESTINY Sänger Kirk Brandon. Und kurz gesagt, wer auf Joy Division und diese Art von Rock steht, sollte dringend mal THEATRE OF HATE anchecken. Gerade Songs wie das bekannte WESTWORLD könnten ohnehin schon in den Gehörgängen eingenistet sein, sozusagen als Dauergast. THEATRE OF HATE - Band 2009 Wie auch FANGS ON FUR hatte THEATRE OF HATE eine sehr guten, erdigen Sound. Die Songs kamen routiniert und fehlerfrei von der Bühne. Lediglich am Gesang konnte man ein paar Wackler feststellen, die aber eher zum Charisma der Band und des Songs beitrugen als groß zu stören. Unterm Strich eine grundsolide Vorstellung, da gab es nichts zu meckern. Bemerkung am Rande: der Basser der Band war übrigens der erste Mensch, den ich kenne, der mit Weinflasche auf die Bühne ging – und sich das edle Gebräu dann tatsächlich in ein Weinglas schenkt.
Der THE HOUSE OF USHER Jörg trank den Stoff damals direkt aus der Flasche – aber naja, der ist ja auch jünger.

SCARY BITCHES - Almageddon SCARY BITCHES waren eine der must-have Bands dieses WGT. Ich habe alle CDs von ihnen und mittlerweile auch ein Shirt. Diese drei alten Schachteln kamen einfach auf die Bühne und haben losgerockt. Keine großes Ding für sie. Die Bühnepräsenz der Bitches ist unglaublich. Alleine die aussergewöhnlichen Küstüme mit Spinnen, Knochen, Ankhs und was weiß ich alles, ist faszinierend. Die 100 Kilo lebendgewicht kommt dann noch zusätzlich dazu. Über die Musik muß man kaum reden: bitterböse Texte gepaart mit einfacher, aber mit Ohrwurmcharakteristik versehener Rockmusik. SCARY BITCHES Die Bitches kamen, sahen und siegten. Trotz der ein oder anderen technischen Panne konnte sie mit ihren Songs nahezu jeden in ihren Bann reisen. Einziger Wehrmutstropfen: dummerweise haben die Chicks hauptsächlich die Songs ihrer neusten Platte THE ISLAND OF THE DAMNED gespielt. Da diese erst zwei Wochen vor dem WGT über Mailorder erhältlich war, kannte das Material noch keiner. An einigen Stellen flachte die Stimmung daher ab, bis die Bitches mit “Piss all over your grave” alte Refrains zum mitgröhlen vorgaben. Der darauf folgende Lärm war unglaublich. Auch hier, wie offenbar üblich im Felsenkeller, glasklarer Sound, sehr erdig. Ein wenig mehr Bass hätten den Bitches nicht geschadet, aber seis drum. Dafür kamen die Texte gut rüber. Die SCARY BITCHES verkörpern übrigens das Phänomen der “sich wenig Bewegenden”. Es gibt manche Menschen, die sich auf der Bühne nicht bewegen müssen, aber trotzdem Präsenz ausstrahlen. Woran das liegt, wissen die Götter. Aber Himmel, ein SCARY BITCHES Konzert sollte sich keiner entgehen lassen – gerade nicht, wenn man Almas Doppelgänger, Live in Concert sehen möchte. Großartige Band! SPECIMEN - Ollie Wisdom live

Den Samstag beschloss dann SPECIMEN den Abend. SPECIMEN sind quasi die Begründer des Begriffs BATCAVE, denn Sänger Ollie Wisdom gründete damals (1982) in London einen kleinen Club namens Batcave. Dieser Begriff etablierte sich als Überbegriff für eine Musikrichtung. Ich denke, man könnte sagen, alles, was dort damals so im Club gespielt worden wäre, dass darf sich nun Batcave nennen. So genau wollen wir das aber nicht wissen. SPECIMEN kam auf die Bühne, der Saal tobte. Der Mischer holte (bedauerlicherweise) die letzten Dezibel aus dem Pult raus, was heißt, das ganze war eine verdamt laute Angelegenheit. Wer SPECIMEN nicht kennt, dem sei gesagt, dass eigentlich jeder mal irgendwo einen oder mehrere SPECIMEN Songs gehört haben muß. Ich dachte eigentlich auch, dass ich kaum einen Song kenne.
Aber ich kannte fast jeden, der gespielt wurde. Geboten wurde recht aussergewöhnlich gespielte Rockmusik, mit dem ein oder anderen Synthesizer Klang. Teils wurden die Gitarren recht absonderlich genutzt, was oftmals zu einem gezielten Pfeiffen und Quietschen führte – quasi fast Industrial, auf die damalige Zeit übertragen. Aussergewöhnlich für damals, aber auch für heute. Pink, Blue, Wisdom Sänger Wisdom freute sich sichtlich über die Anzahl der Fans und lachte freundlich ins Publikum – einer der ersten lachenden Musiker auf dem WAVE GOTIK TREFFEN 2009. Durchaus sympathisch, der Junge. Die Bühnenshow war überzeugend, mit viel Bewegung, Sprünge, Klettereien und so weiter. Da sollte sich so manch eine junge Band was absehen. Was hier gezeigt wurde, war Erfahrung. Diese Erfahrung brachte mich auch später zu dem Stand in der Agra, wo die neueste SPECIMEN Live CD verkauft wurde. Bis auf die hohe Lautstärke also ein überaus gelungener, kurzweiliger Gig. So muß das sein. Der Samstag war damit für mich gelaufen – irgendwie stellte sich leicht fiebriges Verhalten ein. Ob das an den Massen lag? Draussen vor dem Felsenkeller peitschen sich ein paar junge Goths mit Fliegenklatsche und Co auf den nackten Hintern. Aber vielleicht hab ich mir das alles nur eingebildet. Ein Wort bildete sich in meinem Geist: Ofenschlupfer.

SONNTAG – 31. May 2009

Das Fieber wurde schlimmer, aber trotzdem: FLIEHENDE STÜRME spielten in der Agra, und das sollte man mal kucken. Letztes Jahr hatte ich die Jungs verpasst, aber dieses Jahr wollte ich sie mir ankucken. Die FLIEHENDEN STÜRME bieten Punk Musik der alten Art – ganz offensichtlich, wenn man weiß, dass die FLIEHENDEN STÜRME die Follow-Up Band zu CHAOS Z sind. Rotzig, melancholisch, kritisch. Wenn die Jungs nicht so einen melancholischen Ton drauf hätten, dann wären sie vermutlich fehl am Platz, doch so waren sie von den Massen umjubelt. Auf die Dauer gesehen jedoch nicht so ganz mein Fall. Irgendwie erinnert mich die Musik auch an die Zeit, in der DIE TOTEN HOSEN, BÖHSE ONKELZ und Konsorten In waren. DIE FLIEHENDEN STÜRME sind natürlich ernster zu nehmen als die eben genannten Bands aber irgendwie sind gewisse Parallelen nicht abzustreiten. Deutschpunk, halt. Mit 14 Euronen sind die CD-Preise allerdings etwas zu hoch angesetzt – daneben lag die SPECIMEN CD für gerade mal 10 Euro. Dies und die Tatsache, dass ich wohl in der falschen Ecke der Musik aufgewachsen bin, verhinderten größere Begeisterungsstürme, obwohl der Sound verdammt gut, die Songs ausgewogen und die Stimmung ebenfalls äußerst munter war. Na, seis drum, man kann nicht alles mögen. FRANK THE BAPTIST

Dafür betrat der mittlerweile etwas mollige gewordene Frank mit seiner Truppe: FRANK THE BAPTIST die Bühne. Wer den Mann noch nicht kennt, dem sei die Musik ans Herz gelegt: ein überaus kompetenter Sänger mit eingängigen, traurigen Melodien und anständigen, druckvollen Gothic Rock. FRANK THE BAPTIST verfügt über einen der wenigen WGT-2009-Sänger, die wirklich Singen können (Stephanie Meier von ATARGATIS kanns auch noch). Das der Mann ein echter Rocker ist, beweist folgendes: nach dem dritten Song stellt sich Frank auf die Bühne und erzählt der Menge, dass der Kerl X hier ist und seine Freundin Y etwas fragen möchte. Es dauert eine Minute, dann verkündet Frank:”Hey, X hat gerade Y gefragt ob sie in heiraten will. Sie hat ja gesagt. Jetzt küss die Schlampe, damit wir endlich weiterspielen können.” FRANK THE BAPTIST - in fire Sehr geil. Zum einen, freuts mich für X und Y, zum anderen zeugt es von verdammter Coolness das auf eigene Kosten (Zeit ist teuer auf nem Festival) zu machen und die frisch Verlobte gleichzeitig mit dem Begriff “Schlampe” zu versehen.
Es folgte ein sehr stimmungsvoller Abend mit den geilsten Songs von BEGGARS WOULD RIDE, DIFFERENT DEGREES OF EMPTY und THE NEW COLOSSUS. Leider blieb der Mitsingfaktor im Publikum auf der Strecke, was das Gefühl in mir weckte, dass die Band zwar die Größe für die AGRA erreicht hat, jedoch besser mit kleineren Räumen zurechtkommt. Macht nichts, dafür habe ich um so lauter gesungen. Spaßiger Auftritt, und genau wie die SCARY BITCHES eine Höhepunkt auf dem WAVE GOTIK TREFFEN 2009. Umbra et Imago - Sadomaso legend Wie bereits angekündigt, das Fieber wurde tatsächlich schlimmer.

Doch UMBRA ET IMAGO sollte man mal ankucken. Von den einen geliebt, von den anderen gehasst handelt es sich bei den deutschen Sadomaso-Musikern tatsächlich um eine recht kontroverse Gruppe. Der Beliebtheitsgrad im Publikum war enorm, was man den Massen vor der Bühne sah, der Beleibtheitsgrad von Sänger Mozart übrigens mittlerweile ebenso. Ein älterer Herr stand vor mir auf der Bühne, komplett in römischer Legionärsrüstung plus Prunkhelm (Schriftsteller Boris Koch, der auch auf dem WAVE GOTIK TREFFEN gelesen hat, hat mir das erklärt – allerdings denke ich, ich habs wieder durcheinander gebracht – trotzdem danke). Viel Nebel, viel Licht, irgendwo ein leicht bekleidetes Mädchen. Nach dem ersten Song erklärt uns Mozart, wie alt er geworden ist und lüftet seinen Helm. Umbra et Imago - Mozart Vermutlich benötigte man eine gewisse Prise UMBRA ET IMAGO Humor, um das geniessen zu können.
Später hangelte sich der gut Beleibte an eine Stange um vermutlich an ihr hochzuklettern. Das klappt leider nicht so, also blieb er unten und versucht sich in Pose zu stellen. Doch das Publikum – es jubelt. Wieso, das erklärt mir keiner. Im Anschluß gabs noch den dezenten Hinweis, das Mozart ja auch als Autor auf dem WGT gelesen hat. Stimmt, Mozart ist auch Autor. Und: vor 10 Jahren oder so war das verdammt in, Intellektuell und Musiker zu sein. Man denke nur an GOETHES ERBEN. Für einen Schriftstellenr sind die Bühnen-Dialoge zwischen Lutz (der Gitarrist) und Mozart aber recht bedenklich: “Lutz, alle unsere Freunde sind hier.” “Du bist halt ein sympatisches Kerlchen.” Irgendwie reite ich dieses Jahr öfter mal drauf rum, aber… warum sind die Ansagen dieses Jahr so seltsam? Oder liegt das an mir? Ich meine SCARY BITCHES leitet mit sowas wie “This is my best friend” ein, während die Alte eine Handpuppe in die Höhe hebt und den Song Doppleganger einläutet. Das ist cool. Aber: “Lutz, sag ich, Lutz, blablabla…”. Naja, was solls. Der Sound war gut, wie üblich. Die
Lichtshow, war ebenfalls gut – geradezu genial. Auch die Stimmung war gut, und die Songs waren auch sehr gut gespielt. Tatsächlich konnte sogar ich der Musik was abgewinnen – Druck, nach vorne gerichtet, erdig. Bodenständiger Rock also. Aber diese typisch deutsche Bühnenmentalität, die rockt ganz und gar nicht für mich. Etwas verwirrt verlies ich die Halle. Nichtmal das verdammte Bier half gegen das Fieber.

FAZIT

Am Montag folgte dann mein Kollaps. Selbst keine gute Ansage auf den Lippen, schoben mich meine Freunde zurück in mein Auto. Tschüss, bis nächstes Jahr, sagten sie. Meine Erkältung war schlimmer geworden und ich hatte keine Energie für mehr Musik. Leider. Aber bereits jetzt, nach einer Woche, stellt sich das WAVE GOTIK TREFFEN 2009 als Veranstaltung mit hohen Niveau dar. Obwohl viel zu viele Leute da waren und es teils zu Unmut über lange Wartezeit kam, wurde das Ganze dann doch wunderbar gehandelt. Der Sound war durchgängig gut und man konnte sich nicht beschweren. Selbst im Kohlrabizircus war der Sound recht annehmbar, auch wenn der Hall des großen Raums grüßen lies. Allerdings hatte ich einige Probleme mit den Fotos, da fast überall das Licht zu grell oder zu dunkel war. Gerade im WERK II kämpfte ich mit überaus grandioser Dunkelheit, während der Felsenkeller mit Tageslichtbeleuchtung aufwartete. Lediglich das Licht in der Agra war perfekt und den Ansprüchen eines kleinen Amateurphotographen genügend. Unterm Strich also ein sehr schönes WAVE GOTIK TREFFEN. Die Auswahl der Bands war gigantisch, und ich werde mich definitiv noch lange in den Hintern beissen, INKUBUS SUKUBUS, NOSEFERATU und UK DECAY am Montag verpasst zu haben. Letzte Ansage für diesen Artikel: Good Night Leipzig, see you next year!

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